Von den einschlägigen Boulevard-Medien werden sie uns täglich präsentiert: Erfolgreiche Menschen. Es scheint in unserer Gesellschaft einen Konsens zu geben, wer als „erfolgreich“ anzusehen ist. Auf den ersten Blick sind die Kriterien klar: Geld, Macht, Ruhm. Aber es lohnt sich ein zweiter Blick. Denn irgendwie ahnen wir – oder haben es selbst bereits erlebt – dass ein so gearteter Erfolg nur auf Kosten von etwas oder jemandem möglich ist. Fragst du dich vielleicht auch: Was bedeutet Erfolg eigentlich für mich? Muss ich mich entscheiden zwischen beruflichem und privatem Erfolg? 

Als Selbständiger oder Unternehmer liegt es nahe, dem beruflichen Erfolg den höchsten Stellenwert einzuräumen. Klar: Du hast dir etwas aufgebaut (oder bist gerade dabei) und bist es gewohnt, das Wachstum und Wohlergehen deines Unternehmens nicht aus dem Blick zu lassen. Zudem lässt sich hier der Erfolg anhand klarer Kennzahlen einfach messen.

Aus eigener Erfahrung weiß ich jedoch, wie schnell es gehen kann, sich von beruflichen Belangen über ein gesundes Maß hinaus vereinnahmen zu lassen.
Wehe dem, der sich dieser Dynamik nicht bewusst ist und hartnäckigen Glaubenssätzen folgt, wie z.B. diesem:

„Wer selbständig arbeitet, arbeitet selbst und ständig“.

Mögliche schlimme Folgen:

Viele geraten als Folge einer solch einseitigen Fixierung auf rein berufliche „Erfolge“ in ernsthafte Lebenskrisen: Scheiternde Ehen, Schwierigkeiten mit den Kindern, körperliche und/oder psychische Erkrankungen (Herzinfarkt, Depression, Burnout).

Ich kenne persönlich einige Menschen, die durch solche existenziellen Erfahrungen letztlich dazu gezwungen wurden, über ihre Definition von Erfolg neu nachzudenken.

Doch so weit muss es nicht kommen.

Die gute Nachricht ist:

Ich bin mir sicher, dass Erfolg im Leben auch ohne die oben genannten negativen Folgen möglich ist.

Aber nur, wenn ich ihn für mich anders definiere und dabei berücksichtige, dass ich in mehrere existenziell wichtige Lebensbereiche eingebunden bin, von denen mein Beruf nur einer ist.
Außerdem ist es wichtig, mir klar zu machen, dass alle meine Lebensbereiche miteinander verbunden sind und sich wechselseitig beeinflussen und bedingen. Dann erkenne ich, dass ich langfristig scheitern muss, wenn ich versuche, mir den Erfolg in einem Lebensbereich auf Kosten eines anderen zu „erkaufen“.

2 Gründe, warum du dich nicht entscheiden musst zwischen beruflichem und privatem Erfolg:

1. Diese Entscheidung ist langfristig betrachtet gar nicht möglich

Würdest du dich zu sehr auf den beruflichen Erfolg konzentrieren, leidet dein Privatleben früher oder später so stark, dass auch deine berufliche Leistungsfähigkeit nachlässt. Das würde deinen Erfolg minimieren. Das gleiche gilt andersherum, da diese Lebensbereiche untrennbar miteinander verbunden sind und sich wechselseitig beeinflussen.

2. Du kannst in beiden Bereichen erfolgreich sein

Dies gelingt dir, wenn du darauf achtest,

nicht immer mehr Dinge zu tun, sondern die richtigen Dinge (durch mehr FOKUS)

nicht deine Zeit zu managen, sondern deine Energie (durch mehr PRODUKTIVITÄT)

nicht über deine Grenzen zu gehen, sondern diese wahrzunehmen und langfristig und angemessen zu erweitern (durch mehr GELASSENHEIT)

Wann immer ich mich selbst gefragt habe, was „Erfolg“ in meinem Leben bedeutet, bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass langfristiger Erfolg nur dreidimensional möglich ist:

Dreidimensionaler Erfolg, persönlicher Erfolg, familiärer Erfolg, beruflicher Erfolg

Dreidimensionaler Erfolg beinhaltet diese drei übergeordneten Lebensbereiche und berücksichtigt, dass sie sich gegenseitig beeinflussen:

1. Familiär

2. Persönlich

3. Beruflich

1. Familiär

a) In deiner Gegenwartsfamilie

Kaum etwas anderes vermittelt so viel Sinnhaftigkeit und Erfüllung, wie Elternschaft. Wenn du selbst Kinder hast, weißt du, wie sehr du hier gebraucht wirst und auch gefordert bist.

Erfolg kann hier bedeuten:

Erfüllung in der Aufgabe des Elternseins zu finden.

Und wenn du in einer liebevollen Ehe oder Partnerschaft bist, weißt du, welch positiven Einfluss diese auf deine emotionale Ausgeglichenheit hat. Wiederkehrende Konflikte oder wiederholt scheiternde Beziehungen kosten hingegen enorm viel Kraft.

Erfolg kann hier bedeuten:

Die Partnerschaft aktiv zu pflegen und sich als Paar weiterzuentwickeln.

(Um mehr „exklusive“ Zeit mit deiner Familie verbringen zu können, ist es wichtig, die Arbeit nicht mit nach Hause zu bringen. Hierbei kann dir die „Arbeitstag-End-Routine“ sehr gut helfen. Erfahre mehr darüber in diesem Artikel. Gemeinsam verbrachte Zeit hilft aber nur, wenn du auch wirklich mental anwesend bist, also zugewandt, aufmerksam und aufnahmefähig bist. Wie dir dabei u.a. eine „Morgen-Routine“ helfen kann, erfährst du in diesem Artikel.)

b) In deiner Herkunftsfamilie

Aus meiner langjährigen systemischen Arbeit mit Klienten weiß ich, über wie viel Energie derjenige verfügt, der sich in seiner Herkunftsfamilie auf dem richtigen Platz weiß und mit seinen Eltern in Frieden ist. Und ich weiß, wie belastend ungelöste Konflikte mit Eltern oder Geschwistern sind und wie viel Energie uns diese kosten können.

Erfolg kann hier bedeuten:

Die Beziehungen zu Eltern und Geschwistern fortlaufend zu verbessern und zu stärken.

2. Persönlich

Hier bist du zu 100% verantwortlich, denn dein körperliches, seelisches und geistiges Wohlbefinden liegt allein in deiner Zuständigkeit. Daher hat dieser Lebensbereich auch großen Einfluss auf alle anderen Bereiche und du kannst hier am meisten Selbstwirksamkeit erleben.

Bedenke: Wenn du krank, erschöpft oder frustriert bist, lassen sich auch in keinem anderen Lebensbereich „Erfolge“ erzielen.

Körperliche und seelische Gesundheit vorausgesetzt, ist die Weiterentwicklung deiner Persönlichkeit eine deiner wichtigsten Aufgaben.

Erfolg kann hier bedeuten:

Bewusst für deine körperliche und seelische Gesundheit zu sorgen und deine Persönlichkeit fortlaufend weiterzuentwickeln. Letzteres gelingt durch Selbstreflexion und ggf. Veränderung der eigenen Werte, Denkmuster und Verhaltensweisen.

(Wenn „Erschöpfung“ bei dir ein Thema ist – und das ist es bei vielen Unternehmern und Führungskräften – findest du wichtige Anregungen in diesem Artikel. Und wenn dich „Misserfolge“ oder Rückschläge frustrieren, kann dir dieser Artikel weiterhelfen.)

3. Beruflich

Dein Beruf schafft die materielle Grundlage für deine Existenz. Außerdem bietet er insbesondere (aber nicht nur) für Selbständige und Unternehmer ein enormes Identifikationspotenzial. Denn er vermag es, gleich mehrere wichtige Grundbedürfnisse zu befriedigen, wie z.B. Kreativität, Selbstwirksamkeit und Unabhängigkeit.

Erfolg kann hier bedeuten:

Die selbst gesetzten Unternehmens-Ziele zu erreichen und/oder durch eigene Fähigkeiten einen Beitrag zu leisten, ein größeres Ziel oder eine Vision zu verwirklichen.

(Wie du deine wichtigsten Ziele am besten planst, um sie auch wirklich zu erreichen, erfährst du z.B. in diesem Artikel. Und welche Kriterien jedes Ziel benötigt, damit die Chance, es zu erreichen, dramatisch ansteigt, erläutere ich in diesem Artikel.)

Fazit

Eindimensionaler Erfolg ist immer nur auf Kosten deiner anderen Lebensbereiche möglich.

Danach zu streben, bringt dich schnell in einen Teufelskreis. Deine Energie schwindet und es wird immer anstrengender und schließlich sogar unmöglich, diese Art „Erfolg“ aufrecht zu erhalten.

Strebe – wann immer möglich – nach „dreidimensionalem Erfolg“.

So kann langfristig aus einem anstrengenden „Tauziehen“ (beruflich – privat) eher ein fließender Prozess, ein Kreislauf der Energie werden. Dadurch kannst du erfahren, wie Erfolg in einem der drei Bereiche auch die anderen beiden stärkt.

(Übrigens: Früher ging es mir oft so, dass ich viele meiner Erfolge gar nicht wahrgenommen habe. Das hat sich geändert, seitdem ich regelmäßig ein Erfolgstagebuch schreibe. Mehr darüber erfährst du in diesem Artikel.)

Tipp:

Manch einem fällt es schwer, sich darüber klar zu werden, was genau „Erfolg“ im eigenen Leben bedeutet.

Vielleicht kann es hilfreich sein, es einmal vom Ende her zu betrachten…

Das mag zuerst etwas befremdlich klingen, aber sehen wir es einmal ganz nüchtern:

Abgerechnet wird immer zum Schluss.

Denn spätestens am Ende des Lebens geht es doch um die Frage, ob ich ein erfülltes – und in diesem Sinne erfolgreiches – Leben gehabt habe.

Sehr beeindruckend beschreibt dies die Autorin und frühere Palliativkrankenschwester Bronnie Ware in ihrem Buch „5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen“.

Indem sie mit Menschen auf dem Sterbebett spricht und diese ihre Lebensgeschichte erzählen lässt, gibt sie dem Leser auch die Frage mit auf den Weg:

Auf welche „Erfolge“ im Leben möchte ich einmal von meinem Sterbebett aus zurückblicken?

Frage:

Wie definierst du „Erfolg“ für dich ? Hast du vielleicht sogar einen Lebensplan oder eine Liste mit Lebenszielen?

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